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Märkische Allgemeine - 16.04.2014

 

Restauratorin Annett Xenia Schulz zeigt dem Vereinsvorsitzenden Andreas Flender die Schäden an der Johannes-Skulptur - Quelle: Bolko Bouché

Altar der Pessiner Dorfkirche wird restauriert
Impfung für Johannes, Moses und Matthäus

Mit einer mit Kunstharz gefüllten Spritze impft die Restauratorin Annett Xenia Schulz die Holzfiguren auf dem Altar der Kirche in Pessin. Johannes, Moses und Matthäus sind über 300 Jahre alt und mächtig vom Holzwurm geschädigt.
Pessin. In den 1950er-Jahren wurde der Befall zwar durch ein Holzschutzmittel erfolgreich gestoppt, aber das Holz ist immer noch löchrig wie ein Schwamm. „Die Figuren sind aus Lindenholz und besonders stark befallen. Die Schäden am Altar – aus Kiefer – sind geringer“, erzählt die Restauratorin. Tröpfchen für Tröpfchen spritzt sie das Harz in die Fraßgänge des gemeinen Holzwurms.

Einige Holzteile müssen auch ergänzt werden, so fehlt beim Apostel Johannes eine Hand mit einem Weinkelch und die Hälfte eines Buches, das er mit der anderen Hand hält. Die Ergänzungen werden von der Holzbildhauerin Luise Harfmann nachgestaltet und eingepasst.

Außerdem wird die Restauratorin den Altar fachmännisch mit Pinsel und Lösungsmittel reinigen, dabei will sie die Farbgebung aus dem Jahr 1739 und die Marmorierung aus den 1950er-Jahren erhalten. „Die untersten Farbschichten aus dem Jahr 1701 sind noch heller“, berichtet Annett Xenia Schulz. Aber es gebe keinen Grund, auf diese ursprüngliche Farbgebung zurückzugehen. „Der Altar wirkt sehr harmonisch.“ Und wenn am 17. Mai offiziell die Kirche wieder eingeweiht wird, dann strahlt auch das Blattgold wieder. Die Restaurierung des Altars ist ein Teil der Renovierungsarbeiten im Inneren der Kirche. Seit Herbst 2013 war das Gotteshaus geschlossen, in dieser Zeit wurde die Decke verputzt. Nach historischem Vorbild schweben Engel aus Stuck in den Ecken und das Wappen des Patronatsherren Jobst von Bredow ist in der Mitte.

Für die Sanierung des Innenraumes hat sich der Förderverein Dorfkirche Pessin eingesetzt. Andreas Flender ist der Vorsitzende und zugleich ehrenamtlicher Bauleiter. „Wir sammeln Geld, bringen Arbeitsleistungen ein und organisieren mehrmals im Jahr Konzerte, auch eine Ausstellung ist geplant“, berichtet er. Zur Restaurierung des Altars trug die Mittelbrandenburgische Sparkasse mit einer Spende bei. Besucher kommen auf dem Havelland-Radweg hier vorbei und zur Buga 2015 wird die Kirche Teil der Ausflugsroute „Kirchenwege im Havelland“ sein.

Ein Zukunftsprojekt für den Förderverein ist der Ausbau des Turmes mit Toiletten und einer Teeküche. Damit verbessern sich die Nutzungsmöglichkeiten als Gemeindezentrum und Veranstaltungsort.

Von Bolko Bouché

Quelle: Märkische Allgemeine - Online, Lokales, Havelland, 16.04.2014

 

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